Unkraut sorgt für Aufruhr im Gartenparadies

 

 

Bild und Bericht: Evelyn Eischeid

NWZ, 26.04.2018

 

 

 

Machten Lust auf den Garten (von links): Brigitte Rothkegel, Anita Lübben, Referentin Anke Kreis,Klaudia Büsing und Angelika Kuttkat.

Welcher Garten soll es sein? Ein Garten zum Ausgleich und zur Erholung? Einer zum Natur erleben, einer, in dem man kreativ sein kann oder ein Garten, in dem die Pflanzen faszinieren? Jeder Gartenfreund stellt andere Ansprüche. Wie man die erfüllen kann, verriet Anke Kreis von der Landwirtschaftskammer Oldenburg den Elsflether Landfrauen im SWE-Restaurant „Da Cosimo“ am Liener Yachthafen.

Wie aktuell dieses Thema in diesen Frühlingswochen ist, zeigte der Zuspruch: 72 Besucherinnen (plus zwei Männer) verfolgten mit großem Interesse die Tipps der Gartenfachfrau aus Cloppenburg zum Thema „Gartenlust statt Gartenlast.

Bei der Gestaltung oder Umgestaltung komme es auch auf die Gartengröße an, so die Referentin. Ein parkähnlicher Garten verlange natürlich nach einer anderen Bepflanzung als ein Minigärtchen hinterm Reihenhaus. Glücklich ist, wer einen Naturgarten bevorzugt, dort darf sich munter alles aussäen, was die Natur hergibt, während fleißige Hobbygärtner oft einen symmetrischen und akkuraten Garten bevorzugen. Anke Kreis: „Dem Fleißgärtner macht es nichts aus, zweimal im Jahr seine Buchsbaumhecken zu schneiden.“ Zu dieser Spezies zählte die Referentin auch den „Zupfer“, der in seinen geordneten Gemüsebeeten keinem Unkräutlein eine Chance gibt. Für den einen ist es „Gartenlust“, für andere eben „Gartenlast“. Anke Kreis: „Stehen Sie zu ihrem eigenen Stil, nicht alles was andere Gartenfreunde vorweisen können, ist schöner.“

Sollen Wildkräuter ferngehalten werden, rät Anke Kreis zu Bodendeckern wie Frauenmantel, Salbei, Lavendel, Kaukasusvergissmeinnicht oder Storchschnabel. Für große Flächen eignen sich vor allem im Schattenbereich Gruppenpflanzungen aus Gräsern, Funkien und Kreuzkraut. Natürlich kamen auch Schädlinge zur Sprache – das Thema „Schnecken“ war allen Besucherinnen bekannt. Und ob man Giersch ultimativ beseitigen kann, wurde von Anke Kreis bezweifelt. Auch eine Zuhörerin kam beim Thema „Giersch“ erst ins Grübeln, dann zu einer Lösung: Im Sommer sind Gierschblüten, zusammen mit rosa Rosen zu einem Strauß gebunden, ein zauberhafter Hingucker!


„Die Hölle ist kalt und nass“

Elske Oltmanns berichtete Landfrauen von ihrer Jugendzeit in der DDR. Mit nur 17 Jahren wurde sie verhaftet.

 

Elske Oltmanns zog die Landfrauen mit dem Bericht über ihre Kindheit in der DDR in den Bann.

Bild und Bericht: Evelyn Eischeid

 

Bardenfleth Eine Achterbahnfahrt der Gefühle – die vermittelte Pastorin Elske Oltmanns den Elsflether Landfrauen. Vor den Regularien der Jahreshauptversammlung im Moorriemer Landcafé berichtete der Gast aus Ostfriesland über Kindheit und Jugend in der DDR – ein bewegender Vortrag gegen das Vergessen und die „Schwamm-drüber-Mentalität“.

Der Vater, ein gebürtiger Ostfriese, Arzt und reformierter Christ, war mit seiner Familie nach Quedlinburg gezogen, wo er eine Stelle als Chefarzt annahm. „Wir lebten ein ostfriesisches Leben am Harzrand“, erinnerte sich die 60-Jährige, „dank der Westverwandtschaft kannten wir nur Bünting Grünpack. Wir wussten gar nicht, dass es auch andere Teesorten gab“.

 

Was die Familie wohl wusste, war die subtile Überwachung durch die Stasi, man wusste von den „Wanzen“, die sogar im Schlafzimmer das Leben der Oltmanns überwachten. Als einzige an ihrer Schule ließ sich das junge Mädchen konfirmieren. Elske strebte ein Medizinstudium an, um Landärztin zu werden. Die familiäre Katastrophe begann 1975, als ihr Vater „vom OP-Tisch weg“ und ihre Mutter grippeerkrankt von den DDR-Schergen verhaftet wurde. Oltmanns: „Uns Kindern wurde nicht erlaubt, unsere Kinderzimmer zu verlassen – aber wir drei jungen Oltmanns litten schon damals an einer Krankheit, die sich `Solidarität` nannte. Wir wussten auch nicht, was man meinen Eltern vorwarf.“ Ein Nachbar nahm nach der Verhaftung die drei Oltmanns-Kinder auf.

Nur wenig später wurde die 17-Jährige direkt aus ihrer Abiklausur heraus von vier „Herren in grauen Lederjacken“ verhaftet, im Spießrutenlauf durch Quedlinburg getrieben und in das berüchtigte Haller Gefängnis „Der rote Ochse“ verbracht. „Jeder wusste, in diesem Gefängnis gehen die Türen für politische Insassen einmal zu und nie wieder auf“, so Elske Oltmanns.

Ihre zwölfwöchige Einzelhaft überstand sie nur mit „Gehirnjogging“, Singen oder Rezitieren von Gedichten und Literatur: „Sonst wird man bekloppt!“ Wegen „subversiver staatszerstörender Tätigkeiten“ wurden der Vater zu zwei Jahren und acht Monaten, die Mutter zu einem Jahr und vier Monaten, und Elske zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. In der Einzelhaft baute sich das junge Mädchen einen ganz eigenen Schutzwall: „Ich futterte mir 120 Kilo Lebendgewicht an, damit nichts mehr unter die Haut gehen konnte. Man verabschiedet sich von seinem äußeren Sein“.

Elske wurde nach der Verurteilung in das berüchtigtste Frauengefängnis der DDR, Hoheneck in Stollberg, eingeliefert. „Die Hölle ist nicht heiß, sie ist kalt und nass und sie liegt im Keller “, damit umschreibt Elske Oltmanns ihren Aufenthalt in der gefluteten Wasserzelle, in der sie Arresttage verbringen musste. Ohne Angabe von Gründen konnte Elske Oltmanns das Frauengefängnis 1977 verlassen und wurde von der Stasi in ein Harzer Forsthaus gebracht, dort traf sie ihre Mutter wieder, der Vater war während der Haftzeit verstorben.

Nach dem achten Antrag wurde Mutter und Tochter die Ausreise genehmigt, sie zogen in den ostfriesischen Ort Bunde. Ihrem Riesenstapel von Stasi-Akten, den Elske Oltmanns später einsehen konnte, misst sie bis heute keine Bedeutung zu. „Ich wusste, dass wir auch im Westen immer noch von der Stasi, vielleicht auch vom BND überwacht wurden. Ich war immer ein gut bewachter und überwachter Mensch“.

Elske Oltmanns, die nie ihren Humor verloren hat, ist es wichtig, dass solche Dinge nie wieder passieren. „Menschen sollen keine Macht über Menschen bekommen. Was damals in der DDR geschah, muss auch jungen Leuten vermittelt werden, auch wenn sie es kaum glauben mögen“. Und sie hat auch einen weiteren ganz privaten Grund, warum sie mit ihren Erinnerungen an die Öffentlichkeit geht: „Meine Zuhörer sind oft auch meine Therapeuten!“

nwz, 20.03.2018